Das Gelände und die Geschichte

Bei dem Projekt Hansen-Werke handelt es sich um eine totale Umnutzung der ehemaligen Kreidefabrik Hansen-Werke, die zwischen Barbecke und Woltwiesche liegen. Das Gelände umfasst ca. 85.000 m², von denen ca. 24.000 m² gewerblich genutzt werden können. Der Gewerbeplan sieht ein "historisches Handwerker-Kulturdorf" vor, welches energieautark ist, den Großteil aller benötigten Verbrauchsgüter selbst produziert und ein breites Spektrum an kulturellen Angeboten bereithält. Jedem motivierten Menschen kann hier im Rahmen des Möglichen ein Platz für sein Schaffen geboten werden, welches der Gemeinschaft, dem Erhalt alter Handwerks- und Landwirtschaftstechniken, dem Erhalt der ehemaligen Hansen-Werke und des Geländes und damit auch dem Naturschutz dient. Es soll ein Ort geschaffen werden, an dem man sich frei von jedem Zwang bewegen kann und Kunst, Kultur, Natur und respektvolles menschliches Miteinander genießen kann.

Der Ausgangszustand und die Geschichte der Hansen-Werke
Bei den Hansen-Werken handelt es sich um ein geschichtsträchtiges Industriedenkmal. Bereits ab 1648 stand auf dem Gelände der Hansen-Werke
die sogenannte “Bergmühle”. 1872 erwarb der Unternehmer Christoph Hansen das Grundstück auf dem Mühlenberg und begann mit dem Kreide- und Kalkabbau.1946 brachte die Hansen-Werke GmbH schließlich das gesamte Steinbruchgelände von insgesamt ca. 7,5 Hektar in ihren Besitz. Nach knapp einhundert Jahren wurde die Produktion 1962 in dem zu diesem Zeitpunkt überalterten Werk aufgrund der wachsenden Konkurrenz eingestellt. In den folgenden zehn Jahren wurden die Kalkbrüche von der „Stahlwerke Peine-Salzgitter AG“ für die Einlagerung von Abfällen der Stahlproduktion genutzt. Anschließend nutzte der „Zweckverband Abfallwirtschaft“ das Gelände als Abfalldeponie für Hausmüll. Durch eine rechtliche Anordnung mussten die offenen Müllberge jedoch mit Mutterboden abgedeckt werden. Die zuständigen Behörden ließen Ende der 80er Jahre die Deponie stilllegen. Im Anschluss blieb das Gelände ungeschützt und wurde weiterhin von Anwohnern zur illegalen Müllentsorgung genutzt. Bis 2006 waren die Wohnhäuser bewohnt und litten während des anschließenden Leerstands schweren Schäden durch Vandalismus. In den drei Kalkgruben haben sich inzwischen Artenreiche und schützenswerte Ökosysteme gebildet. Trotz der
widrigen Umstände hat die Natur die bewirtschafteten Flächen zurückerobert und dabei eine beachtliche Biodiversität hervorgebracht. Bei der großen Grube handelt es sich um ein seit 1994 durch den Landkreis Peine eingetragenes Feuchtbiotop. So bieten die Gruben reichliches Anschauungsmaterial verschiedener Bereiche der Naturkunde.

Was stellte die größte Herausforderung dar?

Eine der größten Herausforderungen bestand in den langwierigen Abstimmungs- und Genehmigungsprozessen mit unterschiedlichen Behörden und Institutionen. Aufgrund der besonderen Lage des Geländes außerhalb geschlossener Ortschaften sowie der vielfältigen rechtlichen und fachlichen Zuständigkeiten waren zahlreiche Akteure in die Entwicklung des Projekts eingebunden. Dazu gehörten unter anderem Bau- und Umweltbehörden, Naturschutzstellen, die Gemeinde, angrenzende Landwirte sowie weitere betroffene Interessengruppen.

Bereits im Jahr 2006 wurde die erste Bauvoranfrage durch Levi Lewandowski für das Gelände gestellt. Die Entwicklung einer tragfähigen Perspektive für die ehemalige Industrieanlage erforderte in den darauffolgenden Jahren intensive Recherchen, zahlreiche Gespräche, Anfragen und Abstimmungsprozesse. Auch die Eigentumsübertragung gestaltete sich über einen längeren Zeitraum hinweg komplex und erforderte die Klärung verschiedener rechtlicher, organisatorischer und wirtschaftlicher Fragen.

Das Grundstück wurde schließlich von den Hansen-Erben für einen symbolischen Kaufpreis von einem Euro übertragen. Hintergrund waren unter anderem die erheblichen Herausforderungen, die mit der Vermüllung des Geländes sowie möglichen Altlasten und Sanierungsbedarfen verbunden waren. Mit der Übernahme gingen jedoch umfangreiche Folgekosten einher. So fielen zunächst mehrere Tausend Euro Grunderwerbsteuer an. Darüber hinaus mussten rund 80.000 Euro in die Änderung des Bebauungsplans investiert werden, um überhaupt eine rechtliche Grundlage für die zukünftige Nutzung und Entwicklung des Geländes zu schaffen.

Das Verfahren zur Änderung des Bebauungsplans erstreckte sich über mehrere Jahre. Nach etwa vier Jahren lag zunächst eine Genehmigung vor, weitere Abstimmungen und Stellungnahmen – insbesondere im Bereich Umwelt- und Naturschutz – nahmen jedoch zusätzliche Zeit in Anspruch. Insgesamt dauerte das Verfahren rund acht Jahre, bis der Bebauungsplan endgültig rechtskräftig wurde.

Während dieser Zeit konnte das Projekt auf die Unterstützung der Gemeinde bauen. Trotz laufender Verfahren und unterschiedlicher Einschätzungen innerhalb politischer Gremien wurde die schrittweise Sicherung und Entwicklung des Geländes grundsätzlich befürwortet. Dies ermöglichte es, bereits vor dem Abschluss aller Planungsprozesse notwendige Maßnahmen zur Erhaltung der Gebäude und zur Verbesserung des Zustands des Areals umzusetzen.

Aus Sicht des Projekts wäre ein vollständiges Abwarten bis zum Abschluss sämtlicher Verfahren nicht zielführend gewesen, da der fortschreitende Verfall der Gebäude und die zunehmende Belastung des Geländes weiteren Handlungsbedarf erforderlich machten.

Warum gerade dieses Gelände?
Zitat Levi: "Ich kenne das hier mein Leben lang. Wir sind als Kinder schon auf dem Gelände rumgeturnt. Und dann bin ich hier jeden Tag vorbeigefahren, zur Schule, zur Uni, zur Arbeit und hab den Verfall beobachtet, wie Fenster zerschlagen wurden, Feuer gelegt. Mit Freunden hatten wir auch schon vor Jahren einfach mal angefangen, spaßeshalber einen Garten anzulegen und aufzuräumen, ganz ohne Plan, wurden dann aber weggejagt. Kaufen wollte ich das Gelände schon als 18-Jähriger. Aber da hat das natürlich noch niemand so ernst genommen.
Auf die Frage "Warum machst du das alles?" antwortete er:
Weil ich zufällig weiß, wie man das machen kann. Ich bin Steinmetz- und Bildhauermeister, staatlich geprüfter Bautechniker und mit Gartenarbeit aufgewachsen.

Die ersten Jahre auf dem Gelände waren von vielen Herausforderungen geprägt. Levi zog unmittelbar nach dem Erwerb in eines der ehemaligen Wohnhäuser ein, das bereits deutlich von Vandalismus und Brandstiftungen gezeichnet war. Das Gebäude verfügte teilweise weder über Fenster und Türen noch über ein funktionierendes Dach und genau so wie in den Produktionsgebäude stand alles voller Müll. Strom- und Wasserversorgung waren zunächst auch nicht vorhanden.

Um das Haus überhaupt bewohnbar zu machen, wurden zahlreiche provisorische Sicherungsmaßnahmen durchgeführt. Fensteröffnungen wurden beispielsweise mit Folien verschlossen, die beim Wind und Unwettern eine eindrucksvolle, teilweise gespenstisch wirkende Geräuschkulisse erzeugten.

In den ersten Jahren war die Arbeit auf dem Gelände häufig von Einzelarbeit geprägt. Gleichzeitig war vielen Menschen nicht bekannt, dass die Anlage inzwischen einen neuen Eigentümer hatte und dauerhaft bewohnt wurde. Daher kam es weiterhin zu Besuchen von sogenannten Lost-Place-Enthusiasten, unerlaubten Zutritten sowie illegalen Müllablagerungen auf und rund um das Gelände.

Erst nach mehreren Jahren konsequenter Präsenz, Sicherungsmaßnahmen und Aufklärungsarbeit gingen diese Vorfälle deutlich zurück. Nach und nach kehrte mehr Ruhe auf dem Gelände ein und die Grundlage für die weitere Entwicklung des Projekts konnte geschaffen werden.

Aus den mittlerweile fast 20 aktiven Jahren Hansen-Geschichte ließe sich bereits heute ein ganzes Buch schreiben. Die Entwicklung des Geländes, die vielen Herausforderungen, Begegnungen und Ereignisse sowie die Geschichte der ehemaligen Fabrikanlage selbst bieten eine Fülle an spannenden Geschichten und Einblicken. Aktuell ist es uns jedoch nicht möglich, alle Informationen, Dokumente, Fotos und Erlebnisse umfassend aufzuarbeiten und zu veröffentlichen. Besonders die historische Geschichte der Hansen-Werke verdient eine sorgfältige Dokumentation. In unserem Archiv befinden sich zahlreiche alte Unterlagen, Pläne und Dokumente, die interessante Einblicke in die Vergangenheit des Standorts ermöglichen.

Leider ist im Laufe der Jahrzehnte auch vieles verloren gegangen, und viele Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die die Geschichte der Hansen-Werke noch persönlich erlebt haben, leben heute nicht mehr. Umso wichtiger ist es uns, die noch vorhandenen Informationen zu sichern und zugänglich zu machen.

Wir werden uns daher bemühen, die Geschichte des Geländes und des Projekts Schritt für Schritt aufzuarbeiten und nach und nach mit der Öffentlichkeit zu teilen.